Montag, 21. Juli 2014

OOTD - It’s a bare necessity

Es gibt zwei kleine Geschichten hinter diesem Outfit. Getragen und aufgenommen schon vor etwa drei Wochen, an einem nett warmen, aber nicht klebrig heißen Sommertag. Die erste Geschichte hat mit meinen Freunden zu tun und meiner Familie, damit dass ich an diesem Samstag durch die Straßen Bielefeld wanderte um die vielen Möglichkeiten des NRWTags zu erkunden, mit ohne Strumpfhose, und einem leichten Wind auf der Haut. Ich war Kaffee trinken und eine Band anschauen, hab mein THW einen Flaschenöffner gewonnen und zum Abschluss bin ich noch in Amélie gelaufen. Und hier fängt die zweite Geschichte an.

There are two stories  behind this outfit. One it set three weeks ago, when I wore this dress out for a special street festival in my home town, having coffee, fun and a long walk with friends. The second one beging a little later, when I coincidentally met Amélie at the coffee store. 

Kleid - ASOS Curve // Tasche - Six // Schuhe - Evans // Hut - H&M // Kette - Uroma 
Zwei Wochen später saßen Amélie und ich in Berlin auf einer Bank und sie sagte mir plötzlich: „Ich wollte dir schon die ganze Zeit was erzählen, hab ich total vergessen.“ An dem Tag, als wir und zufällig in der Schlange zum eiskühlen Frappucchino trafen, stand eine ältere Dame hinter uns in der Schlage, nachdem ich das Café verlassen hatte, ging sie auf Amélie zu und erzählte ihr etwas umschweifend, und mit vielen „Ich mein das ja nicht böse“, dass sie fände, ich sollte meine Beine nicht so nackig zeigen. Es ging nicht etwas, wie Amélie erwartet hatte um meine grünen Haare, oder meine Pircings, sondern um die ca. 50cm nackte Haut unterhalb meines Knies. Ich weiß nicht, ob es die Nacktheit oder aber die Form meiner Beine war, jeden Falls war die gute Dame recht empört, und Amélie und ich hatten den ganzen Abend was zu lachen.

Two weeks later, Amßelie and me were string on a bench in Berlin and she suddenly remembered to tell me something. It was that day I wore the dress and we met, that an older lady was standing behind us in the queue for frappucchino. She later, when I left, came up to my friend and told her with a little bit of talking around the thing, and lots of „I don’t really wane be mean, but...“ that she thought I really shouldn’t show my legs bare like this. For her it probably was something she was offended by for the rest of the day, while Amélie and I had a laugh for the whole evening.

Ich bin froh, dass es mir diesen Sommer zum ersten Mal egal ist, ob Leute meine Beine sehen wollen oder nicht, es ist warm, also ziehe ich keine Strumpfhose an. So einfach ist das. Es macht Spaß Wind auf den Beinen zu fühlen, oder wie der Rock um die Knie flattert. Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille, und irgendwer hat immer was zu meckern, und deswegen versuche ich mich immer auf die positive Seite zu konzentrieren. Probiert’s doch auch mal aus...

I am really happy that this is the first summer I really don’t care much anymore about showing my legs. If it’s warm, I am going to skip the tights and go bare legged, cause it’s lovely to feel wind on my skin and my skirt touching my knees. There are always people who will be offended or bothered, but I really try to concentrate on the positive stuff. You should try that too...



Sonntag, 20. Juli 2014

Fat Acceptance - Was soll das ganze eigentlich?

Manchmal steckt man so tief in seinem eigenen kleinen Universum, dass man gar nicht mehr so richtig merkt, dass es da draußen Leute gibt, die mit dem eigenen Lieblingsthema so absolut nichts am Hut haben. Meistens fällt es einem immer dann auf, wenn zum Thema Fat Acceptance und Plus Size Mode mal etwas in den Mainstream Medien gebracht wird.

Die wundervolle Britta, die ich durch den Blog kennen gelernt habe, hat letzte Woche auf Brigitte.de einen Artikel (Trigger Warning: DON’T READ THE COMMENTS! Ich meine er ernst!) über uns, also ihre Plus Size Mädels, veröffentlich, und darüber geschrieben, wie wir ihr geholfen haben, sich selbst wieder schöner zu finden. Neben positiver Resonanz ist aber leider auch eine Diskussion ausgebrochen in der mal wieder die typischen Karten gespielt werden: Ich finds ja auch wichtig dass ihr euch alle gut fühlt, aber Gesundheit, Fitness und „IHR WERDET ALLE STERBEN!“.

Ich habe mich oft genug in diese Diskussionen reingestürzt, mit wehenden Fahnen meinen Standpunkt verteidigt, Tränen vergossen und am Ende irgendwann verstanden,  Menschen die schon  ein Brett vor dem Kopf haben, möchten damit einfach weiter gegen den Türrahmen rennen, um bloß nicht raus zu kommen, aus ihrer kleinen Box, in der kein Platz für neue Ideen und andere Gedanken ist. Deswegen habe ich dieses mal den Mund gehalten, trotzdem hat die Diskussion die Frage „Warum eigentlich Fat Aceeptance?“ in meinem Kopf aufgewirbelt und mir klar gemacht, dass viele Menschen anscheinend tatsächlich nicht verstehen warum.

Ich brauche Fat Aceeptance...
...weil ich es gemein finde, dass Außenstehende davon ausgehen, dass ich grade abnehme, weil es ungerecht ist, dass Menschen die mich nicht kennen denken, dass ich meinen Körper schrecklich finden muss oder ihn bestimmt hasse und ändern will. Weil ich immer die sein werde, die man als ungesund einschätzt, auch wenn eine dünne Freundin neben mir vielleicht schlechtere Blutwerte hat, genauso langsam läuft, oder doppelt so viel Burger isst wie ich. Weil jeder denkt, er hat das Recht mich zu beurteilen, mich zu verurteilen, mich darauf aufmerksam zu machen, dass ich ungesund/faul/hässlich bin. Weil Menschen auf der Straße sich umdrehen und kichern, mit dem Finger auf mich zeigen. Weil ich Jahre lang Angst hatte in der Öffentlichkeit zu essen. Weil man manchmal weinend im Bett liegt, nach dem wieder jemand „zugeschlagen hat" und darauf wartet, dass der prophezeite Herzinfarkt jede Sekunde eintreten könnte, obwohl man weiß, dass man ganz gesund ist. Weil Menschen mir sagen, dass sie mich mutig finden, weil Menschen es ganz toll finden, dass ich zu meinem Körper stehen kann. Weil niemand sich traut fett zu sagen. Weil dünne Menschen nicht verstehen wie privilegiert sie nur wegen ihres Gewichts sind. Weil ich, genau wie jeder andere Mensch, das Recht habe zu sagen „Ich bin zufrieden“, ohne das jemand ein „aber...“ daran hängt. Weil mein Körper atmen, laufen, mich durch die Welt tragen kann, und trotzdem jeder meint, dass er nicht gut genug ist. Weil dicke Menschen nicht in Liebesfilmen vorkommen.

Es gibt so viele Gründe, so viel „weil“ und trotzdem ist alles was manche Menschen sagen können „Aber das ändert nichts an dem Fakt, dass Übergewicht ungesund ist und wenn du erstmal alt bist, du bereuen wirst, was du jetzt sagst!“. Wenn ich so ein Argument höre, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Selbst wenn das alles so wahr wäre, und jeder dicke Mensch automatisch ungesünder ist, als sein dünner Gegenpart, ändert das nichts an der Tatsache, dass all die oben genannten Dinge trotzdem wichtig sind. Nur weil mein Lebensstil ungesund ist, wird nicht außer Kraft gesetzt, dass ich glücklich sein darf. Dass es entwürdigend ist, wenn fremde oder noch schlimmer, nicht fremde Menschen sich über mich lustig machen. Davon, wie unglaublich bescheuert er ist, die Gesundheit eines Menschen nur an seinem Aussehen abzulesen, fange ich gar nicht erst an. Es geht hier nicht darum, irgendetwas für besser oder schlechter zu erklären, es geht auch nicht darum Übergewicht zu „glorifizieren“ wie manche es so schön sagen, na ja wenn wir ehrlich sind, geht es manchmal doch darum, aber warum auch nicht? Dünnsein, Diäten und Fitness bis zu einem Grad, der auch ungesund und Körperschädigend ist, wird doch auch glorifiziert, jeden Tag, in jedem Medium..., aber ich verliere hier den Faden. Worum es geht ist, dass ein fetter Körper exakt die gleiche Berechtigung hat hier zu sein wie ein dünner, ein mitteldünner, ein dicker aus Gesundheitsgründen, ein kaputter, ein heiler, ein „schöner“ oder ein hässlicher.
Als fetter Mensch ist man für viele andere Menschen inakzeptabel.

Es passt nicht in ihr Weltbild oder ihren Alltag, dass mein fetter Körper sich den Raum nimmt, der ihm zusteht. Dass ich mir das Recht nehme mich zu kleinen wie ich will, zu essen was ich will, und vielleicht so zu leben, dass ich mir keine Gedanken um Konsequenzen machen. Und diesen Menschen müssen endlich die Augen geöffnet werden für ihre eigene Intoleranz. Denn selbst ein gut gemeintes „Aber denkt doch an deine Gesundheit“ basiert nur auf Vorurteilen gegenüber fetten Körpern, und in den wenigsten Fällen auf fundiertem Wissen über den wirklichen Gesundheitszustand des Menschen. 


Dienstag, 15. Juli 2014

Curvy Is Sexy 2014

Da bin ich wieder. Heim im schnuckeligen Bielefeld, wo man schon längst irgendwo am anderen Ende des Teutoburger Walds angekommen ist, wenn man 45 Minuten Bahn oder Bus fährt. Aber die Großstadt war gut, Berlin war gut. U-Bahn Luft, Menschen die bei rot über die Ampel gehen, eine 0,75l Flasche Wasser für 3,20€…
Neben Björn besuchen war der eigentliche Hauptpunkt des Berlin Besuchs ja die Plus Size Messe "Curvy Is Sexy", die im Rahmen der Fashion Week das dritte mal in Berlin aufschlug. Nach zwei mal nicht Dabeisein, war ich neugierig und vielleicht ein kleines bisschen zu hoffnungsvoll. Die ganz große Modeinspiration haben mir die ausstellenden Marken definitiv nicht gebracht!

Ich hatte einen spaßigen, Füßebelastenden Mittwoch, den ich in Begleitung von wundervollen Menschen hinter mich gebracht habe, es gab viel Händeschütteln und Umarmungen und es war toll eine ganze Menge Blogger, die mir bis dahin in Fleisch und Blut noch unbekannt waren, mal zu treffen. Und wir wissen ja alle, die richtigen Leute, können auch ein semi gutes Event zu etwas viel besserem machen. Womit ich dann auch schon ganz smooth zu meinem Gesamteindruck übergeleitet hätte: Alles war irgendwie nur so semi gut. 



Ich weiß wirklich nicht was ich erwartet habe, aber die Marken die gute Klamotten gezeigt haben, lassen sich an weniger als einer Hand abzählen. Natürlich hat auch alles andere, dass nicht meinem persönlichem Geschmack entspricht seine Daseinsberechtigung und scheinbar vor allen Dingen ein viel höheres Marktpotential, trotzdem habe ich irgendwie nicht erwartet durch Gänge zu gehen, die gesäumt waren von untaillierten Tuniken, in gruseligen Grafik-Djungel-Prints, Fake-Leder-Stretch Jeggings, die eigentlich ihren modischen Zenit schon fast wieder überschritten haben, grade geschnittenen Jeansröcken mit taktisch platzierter Waschung, damit die Größe 54 evtl. doch noch aussieht wie eine 52. Oder im großen und Ganzen Gesagt

Der typische Plus Size Mode Horror, der einem seit Jahren in jedem Geschäft hinter her geschmissen wird.

Natürlich gab es auch Stände die mich davon überzeugt haben, dass es einige wenige in der Industrie gibt, die nicht nur in alt bekannten Modevorschriften denken, sondern so langsam auf den richtigen Weg kommen oder sogar schon mit ein paar großem Schritten weit vorne liegen. Sowohl Triangel von S.Oliver als auch Zizzi haben mich positiv überrascht. Beide hatten nicht nur tolle Standkonzepte und zuckersüße Menschen vor Ort, sondern Kollektionen die definitiv aus der Maße rausstachen und zeigen dass so viel mehr möglich ist. Einer könnte jetzt sagen "Unter den Blinden ist der Einäugige König!" aber trotz all der Kritik möchte ich Mode vor auch einfach mal genießen, wenn sie denn dann schon geboten wird.



Nach dem ganzen Messestände abgeklappere und dem ein oder anderen kalten Getränk und Becher Eis hier und da, gab es Abends noch eine Sheego Fashion Show, zur neuen Anna Scholz Kollektion, die leider recht unorganisiert ablieft und mich wenig begeisterte. Sie hat mich aber schlussendlich zu einer wichtigen Erkenntnis gebracht. Wie ich da so Stand, und die eigenen Einkäufer von Sheego sich hinter mir die Seele aus dem Leib jubelten, aber ein tatsächlich sehr schönes, aber nicht besonders kreatives, neues, modisches oder irgendwie anders auffälliges schwarzes Kleid, dass vor allen Dingen die großen Brüste, den Flaschen Bauch und den kurvigen Po, des ansonsten eher dünn geratenen Plus Size Models betonte dachte ich:

Na klasse, schön, dass ihr euch freut, dass die Dicken auch mal ein bisschen was schönes bekommen, ihr müsst den Scheiß ja selber auch nicht anziehen!

Ja ich weiß, das mag verbittert klingen, aber sein wir doch mal ehrlich, egal ob Einkäufer, Marken Chefin, Vertriebs Person oder PR Beauftragte selbst in der Plus Size Industrie arbeiten doch zu 90% Leute die in ein Kleidergrößen Schema fallen, dass fast überall bedient wird. Ja nicht alle tragen eine 38, sondern viele eine 42 oder 44, aber das ist immer noch ein ziemlich großes Stück von jemandem entfernt, der ausschließlich in Große Größen Geschäften einkaufen kann. Ich weiß sehr wohl, dass die Realität nicht immer so aussieht, wie sie mir in meiner Bloggerblase vielleicht manchmal vorkommt, dass nicht jede dicke Frau den gleichen Modegeschmack hat wie ich, aber selbst gediegen-lässige Basic Mode kriegt ab Größe 46 doch über all noch einen Smiley, eine Paillette oder eine geschickt gesetze Falte draufgeklatscht, nur damit auch ja niemand auf die Idee kommt, dass irgendwo unter dem Textilwust ein echter Bauch mit Fett und Haut und Dehnungsstreifen versteckt sein könnte.



Was bleibt also von der Curvy Is Sexy? (Mein Autokorrektur schreibt gerne auch mal Curry Is Sexy und dem kann ich nur zustimmen!) Lust auf einige Kollektionen wie zum Beispiel der „Wardrobe of Wonders“ von Zizzi, eine ziemlich coole Goodie Bag von Triangle, der face Beigeschmack, dass egal Menschen, die nicht mal Ansatzweise wissen wie es ist in meiner Haut zu stecken entscheiden was ich anziehen kann oder sollte und zum Glück, und das ist das wichtigste, neue Verbindungen, vertiefte Freundschaften und die Erinnerung an so ziemlich die coolsten Hotel-Bett-Rumliege-Abende mit Amélie.